Das Berater Dilemma Part 1 – Berater oder nicht Berater, das ist hier die Frage! 

Ich, Jan Foelsing, will kein Berater sein. Doch warum?

Dieser Artkel ist zuerst erschienen unter: Elevation Labs – Impulse

Berater müssen alles wissen. Oder müssen zumindest so tun, als wüssten sie alles. Wir gehen davon aus, dass wir nicht alles wissen und das wir dies nie tun werden. Zu schnell verändert sich unsere Umwelt. Konstant und mit zunehmender Geschwindigkeit.
Auch bei Experten handelt es sich um Menschen, die in einem Bereich viel Erfahrung haben. Das ist doch super, könnte man denken. Das Land braucht mehr super schlaue Experten. Doch deren Wissen und deren Erfahrungen beruhen auf der Vergangenheit. Der Kontext ist allerdings enorm wichtig. Eine Lösung kann in Kontakt A wunderbar Funktionieren, aber wenn sich die Rahmenbedingungen ändern und das vermeintliche Expertenwissen in Kontext B angewendet wird, kann es zu völlig falschen Ergebnissen führen. Jetzt meint man, ja, aber als Experte weiß man das ja und passt es dann an. Diese Fähigkeit besitzen aus unserer Sicht aber die wenigsten. Besonders im Beratungskontext werden die erarbeiteten „Wissenskonserven“ aber zu gerne so oft wie möglich wiederverwendet, um auch möglichst effizient zu sein. Dies ist Teil des systembedingten Geschäftsmodells der Berater-Gilde. Wenn man denkt, dass man als Berater für alles die Lösung mit dabei hat, sind dies für uns nicht wirklich hilfreiche Kompetenzen. Benötigt werden aus unserer Sicht viel mehr Visionäre, Entrepreneure, Seher, Träumer, Spinner. Nur sie bringen einen aufs nächste Level. Berater haben zudem die systembedingte Eigenart auch Aufträge anzunehmen, die sie für nicht wirklich Zielführend für den Kunden ansehen. „Ich weiß schon, dass das nicht funktionieren wird, aber wenn ich mich richtig positioniere und das suboptimale Ergebnis nicht auf mich zurück fällt, bekomme ich auch gleich noch den Folgeauftrag…”
Als Berater glaubt man ja auch von sich selbst, dass man alles weiß da dies einem ab Jobstart „eingeimpft“ wird. Als Berater gehört man ja auch zur Odkotür der Wissensträger. Aber genau diese „Einbildung“ erachten wir in der heutigen Zeit sogar für gefährlich. Im Rahmen der Industrialisierung bei sich nur langsam ändernden Rahmenbedingungen war dies auch eine sinnvolle Vorgehensweise.
Zu schnell ändern sich aber mittlerweile die Rahmenbedingungen in unserer vernetzten Welt. Zu schnell funktioniert das, was bisher als „Best Practice“ angesehen wurde nicht mehr. Man berät also mit Lösungen aus der Vergangenheit. Dieser Menschengruppe fällt es dementsprechend schwerer loszulassen, sich zu verändern, neue Lösungen zu sehen, zu konzipieren und nutzbar machen zu können.
Aber genau das ist unser Anspruch.
Ein reales Beispiel: Ein mittelständisches, international tätiges Unternehmen, möchte innovativer werden, da die Konkurrenz global ansteigt und sich dies auch auf ihre Märkte auswirkt. Es wird ein Berater engagiert, der in diesem Fall auch als Workshop-Moderator dienen soll. Das Ziel des Kunden heißt Einführung eines Stage-Gate Modells. Und schwupp werden 2-3 Workshops durchgeführt bei denen der Berater ca. 3.000-5.000€ verdient. Er dient dabei mehr, als das er hilft. Das Ziel ein Stage-Gate Modell zu entwicklen wird erreicht. Bloß nicht das Ziel hinterfragen, sondern es einfach erreichen, heißt hierbei oft das Motto. Doch, dass solch umfangreich strukturierte Prozesse ein Killer für Innovationen sind, oder dass man bei Innovationsprozessen die potenziellen Kunden immer soweit wie möglich einbinden sollte, wurde nur einmal kurz angesprochen. Nachdem der Kunde dies mit fragendem Blick zurückwies, wurde weiter im Takt verfahren. Es wurde das getan, was der Kunde schon so ca. im Kopf hatte. Hauptsache der Kunde ist danach zufrieden. Das ist er am ehesten, wenn man seine Sprache spricht und seine Idee aufnimmt und diese noch leicht ausschmückt. Also mit etwas von seinem “Expertenwissen”, aus anderen, vergangenen Projekten anreichert. Best Practices sind deshalb für neue Lösungen nicht optimal. Diese sind besser im Bereich von inkrementellen Optimierungen (KVP). Best Practices sind Vergangenheitsbezogen und dienen dazu aufzuholen, aber nicht zu überholen. Generell sehen wir das Problem, dass Wiederworte und den Finger in die Wunde legen, zumeist eher unerwünscht sind. Zudem hat man als Berater angst, danach keine Aufträge mehr zu bekommen, da man zu oft widersprochen hat. Dienen anstatt helfen, heißt deshalb oft das Motto von Beratern.
Die neuen, und in unserem Umfeld zurzeit passenderen Methoden aus dem Lean Startup Bereich werden hier in unserem Fall z.B. einfach nicht angesprochen. Daraus könnte dann ja noch ein Folgeauftrag entstehen, wenn das Stage-Gate Modell nicht angenommen wird bzw. nicht zu mehr Innovationen / neuen Produkten führt… 😉
Deswegen wollen wir weniger Berater und weniger Experte sein, sondern mehr wie ein kleines Kind, welches die Welt noch mit offenen Augen sieht, welches weniger voreingenommen ist und mehr Fragen stellt, als Antworten gibt. Es kommt nämlich heute viel mehr darauf an die richtigen Fragen zu stellen, die richtigen Türen für seine Kunden zu öffnen, so dass diese (mit unserer Hilfe) die Lösung selbst entwickeln. Wir sehen uns dabei als eine Mischung aus Adjutant (lat. adjuvare = Gehilfe) und Hofnarr. Als Zukunftsarchitekten, die den Finger auch einmal in die Wunde legen. Elevation Labs – uplifting people